
Irgendwie ist es uns von Saigon aus moeglich auf Hinterindien zuzugreifen und die angenehme Ueberraschung ist ganz auf unserer Seite. Wie geil ist es, wenn man seine eigenen Gedanken und Fotos nun auch selbst im Internet lesen kann!

Die Uhren scheinen also in Saigon etwas anders, als im restlichen Vietnam zu ticken. Nicht nur der Internetzugang scheint uneingeschraenkt zu sein, auch in allen anderen Bereichen befindet man sich hier in einer westlichen Grossstadt mit der Betonung auf gross!
Hier sollen 10 Millionen Menschen auf engstem Raum mit ihren geschaetzten 4 Millionen Motorraedern leben. Zusammen machen sie aber Laerm fuer 40 Millionen!
Es ist manchmal so extrem, dass wir unseren Fernseher am spaeten Abend im 2. Stock auf volle Lautstaerke drehen muessen, um ueberhaupt etwas zu verstehen. Gespraeche auf der Strasse arten regelmaessig in Schreiorgien aus.

Je kleiner der Mann, desto groesser das Gefaehrt ( der Laerm )...ich bin ja kein Psychologe, aber....
Die Strasse zu ueberqueren wird zur Lebensaufgabe, wenn man darauf wartet, dass sich eine Luecke im Verkehrsfluss auftut. Man muss sich einfach

in den Strom von Motorraedern begeben, wenn mal nicht so viele Busse unterwegs sind, die einen definitiv platt machen wuerden; dann einfach versuchen die Dynamik der Bewegung um sich herum aufzunehmen und man erreicht die andere Strassenseite etliche Stossgebete spaeter....wenn man Glueck hatte.

3 bis 4 Menschen taeglich haben dieses Glueck nicht.
Die Hitze ist so unertraeglich geworden, dass wir einfach nur Regen und schlechtes Wetter wollen! Da kommt uns die Heimkehr in ein paar Tagen ja recht gelegen. Man sitzt und schwitzt...den ganzen Tag! Die Duschrekorde werden taeglich gebrochen und die Naechte bleiben schlaflos; man koennte auch sagen, dass wir genug von den Tropen haben und uns ganz schoen auf zu Hause freuen.
Nicht, dass es uns ankotzt, dass wir hier her gekommen sind, eher im Gegenteil. Aber die extremen Temperaturen haelt man einfach nicht ewig aus. Wir sind ja auch so clever, den ganzen Tag irgendwo in

der Stadt rumzukriechen, um was zu sehen.

Der Kaufrausch hat uns wieder und wir haben nicht mal erst versucht ihm zu entkommen. Als wir in Bangkok waren, dachten wir schon, dass es nicht billiger gehen kann; das war ein Irrglaube.
Man kann sich schon den einen oder anderen Tag damit vertreiben die lokalen Maerkte und Kaufhaeuser abzusuchen. Die letzteren sind unsere eindeutigen Favouriten, da man da bei erfrischenden Temperaturen nicht nur Geld ausgeben kann, sondern sich auch ein wenig erholen kann.
Klar gibts auch Tempel in der Stadt, aber ganz nach dem Motto „ Kennste einen, kennste alle!“,

schenken wir uns die meisten dieser Kulturgueter.
Viel interessanter erscheinen uns da die Museen, die in erschreckender Deutlichkeit die dunkelsten Seiten des Krieges beleuchten. Wenn man Fotos von lachenden US Soldaten sieht, die die Ueberreste von Vietnamesen in die Kamera halten, wird einem echt anders.
Bei all den furchtbaren Dingen, die hier angerichtet wurden, fragen wir uns taeglich, wieso hier alle so freundlich gegenueber uns Fremden sind.
Klar, dass man mit allem, was man erreicht hat rumprotzt. Daher findet man ueberall in der Stadt die abgeschossenen Helikopter, Flugzeuge und Panzer „des Feindes“ als Trophaee aufgestellt.

Heute haben wir als letzte Busfahrt in diesem Urlaub noch eine Tour drangehaengt. Die ganze Zeit haben wir ueber solche Fahrten gewettert, und zum Abschluss mussten wir es dann doch tun. Zu unserer Ueberraschung, war es aber sehr angenehm, da keine prolligen Amis oder Israelis mit an Bord waren und der Guide richtig cool war.
Der Tempel ( huch, schon wieder einer ) der Cao-Dai Sekte liegt 100 km noerdlich von Saigon, eine Distanz, die ich nie im Leben auf einem Motorroller bewaeltigen wollte.
Der Glaube der Cao-Dai ist eine wilde Mischung aus Buddhismus, Daoismus, Konfuzianismus, Katholizismus; ich glaube, das waren alle.

Das Ganze wird dann noch in grellste Farben verpackt und ist das idaele Ziel fuer jede Linse der fotohungrigen Touristen.
( Ich weiss gar nicht mehr, was ich dazu noch schreiben soll.
Falls irgend jemand noch Fragen zu dem Thema hat, wuerden wir gern in einem persoenlich Gespraech naeher darauf eingehen. )
Am Nachmittag gings dann zu den Tunneln von Cu Chi.

Hier, nur 60 km von Saigon, und damit von Feind, entfernt, wurden riesige unterirdische Anlagen von Vietcong gebaut. Die haben hier tatsaechlich in muehevoller Kleinarbeit mit Hacke und Koerbchen eine 3 bis 4 stoeckige, ueber 200 km lange Tunnelanlage in den Lehmboden getrieben. Die hatten da echt alles mit bedacht; es gab Kuechen mit speziellen Rauchabzugskonstruktionen, Aufenthalts- und Kommandoraeume, Fluchtausgaenge unter Wasser und auch et

liche moerderische Tretfallen fuer Fe

inde, die doch mal den Eingang gefunden hatten.
Die Amis hat das gar nicht erfreut und somit verwandelten sie das gesamte Gebiet in einen riesigen Schutthaufen. Die haben hier alles nur irgendwie giftige abgeworfen, was sie nur finden konnten. Von Napalm ueber Dioxin bis hin zu

Dieseloel.
Von Bomben wollen wir nur so viel sagen, dass das Gebiet auch „ eisernes Dreieck“ genannt wird und die ansaessigen Bauern nach dem Krieg pro Quadratmeter 1 Kilo Metallsplitter gefunden haben.
Nachdem uns gezeigt wurde, wie furchtbar der Krieg ist, konnte man dann selber mit AK 47 oder M 14 zeigen, wie treffsicher man ist. Da wurde mal eben in 10 Minuten das Monatseinkommen einer vietnamesischen Familie verballert...gut, dass die Antikriegskampagne bei jedem so gut greift...